Junk

von Ayad Akhtar
Deutsch von Michael Raab
/ Repertoire

Premiere 15/04/2018

SchauSpielHaus

Dauer: ca. zwei Stunden. Keine Pause.

„Das hier ist eine Geschichte über Könige, oder was man heutzutage so für Könige hält. Mitte der achtziger Jahre. 1985, um genau zu sein. Ich schrieb für Forbes und fürs Wall Street Journal. Gerede über Geld war ich gewöhnt. Aber 1985 drängte sich der Eindruck von etwas Neuem auf. Etwas Aggressivem und Angriffslustigem. Da kam so ein fanatischer Eifer in den Blick der Leute. Als ob eine neue Religion entsteht …“

Robert Merkin, Investmentbanker bei »Sacker Lowell«, ist auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Das »Time Magazine« feiert ihn auf der Titelseite als „Amerikas Alchimist “, der aus Schulden Geld macht. Binnen kürzester Zeit hat er fernab der Aufmerksamkeit großer Banken, Wall Street und Justiz Milliarden erwirtschaftet und das verstaubte Wirtschaftssystem auf den Kopf gestellt. Sein Vorgehen ist so revolutionär wie aggressiv: mit Junk-Bonds – sehr riskanten und hoch verzinsten „Schrottanleihen“ – ködert er Investoren mit satten Gewinnen und sichert diese mit den Werten des Unternehmens ab, das er angreift. Die Zerschlagung der Firmen und die Entlassung tausender Mitarbeiter sind dabei Kollateralschäden, die nach Merkins Ansicht unvermeidbar sind, um in Zeiten von Globalisierung und aufblühender Konkurrenz in Fernost wettbewerbsfähig zu bleiben.
Merkins nächstes Ziel soll der „Deal des Jahrzehnts“ werden: der Stahlgigant »Everson Steel«, Dow-Jones-Unternehmen und heilige Kuh der amerikanischen Wirtschaft. Sein Team ersinnt eine Angriffstaktik aus Intrigen, Täuschungen und die Grenzen der Legalität überschreitenden Manipulationen. Auf der Gegenseite formiert sich der Widerstand. »Everson Steel« entwickelt Verteidigungsstrategien, Banken und Wirtschaftseliten fürchten um den Status Quo und steigen in den Poker ein, die Staatsanwaltschaft beginnt sich für den Fall zu interessieren und eine Journalistin steht kurz davor, die illegalen Machenschaften Merkins aufzudecken.

Ayad Akhtars Wirtschaftsthriller beruht auf den wahren Begebenheiten um den „Junk-Bond-King“ Michael Milken, der in den 80er Jahren, dem „Jahrzehnt der Habgier“, den Finanzmarkt irreversibel veränderte und so viel verdiente, wie vor ihm nur Al Capone. Die Entkoppelung des Finanzsektors von der Realwirtschaft, die Milken lostrat, ist verantwortlich für die völlige Entfesselung der Finanzwirtschaft und die daraus resultierenden globalen Wirtschaftskrisen der letzten 30 Jahre.

Nach den Erfolgen von »Geächtet« und »The Who and the What« ist »Junk« die dritte deutschsprachige Erstaufführung Akhtars am Deutschen SchauSpielHaus.

Fotos: Sinje Hasheider

Es spielen: Franziska Arndt, Yorck Dippe, Paul Herwig, Jonas Hien, Christoph Jöde, Janning Kahnert, Jan-Peter Kampwirth, Matti Krause, Thomas Mehlhorn, Hannah Müller, Anne Müller, Maximilian Scheidt, Götz Schubert, Ernst Stötzner, Samuel Weiss Regie: Jan Philipp Gloger Bühne: Marie Roth Kostüme: Karin Jud Musik: Kostia Rapoport Videodesign: Sami Bill Video: Alexander Grasseck Ton: André Bouchekir, Christoph Naumann Licht: Susanne Ressin Dramaturgie: Bastian Lomsché

Pressestimmen

Spiegel Online

"Jan Philipp Gloger hat in seiner tempoflinken, garstig-komischen Hamburger Inszenierung mit erstaunlichem Feingefühl die erschreckenden Grobheiten des Marktes und seiner habgierigen Diener seziert."

Deutschlandfunk

"Jan Philipp Gloger macht das sehr, sehr gekonnt und virtuos. […] Es gelingen in diesem wirklich großartigen Ensemble wunderbare Figurenportraits: Samuel Weiss als Robert Merkin, smart, jovial, und trotzdem getrieben, eine Spielernatur, ein Zocker."

NDR Hamburg Journal

"Nach einer Weile entwickelt sich das Stück in einen rauschenden Strudel, dem man sich kaum entziehen kann. Die Sprache von Akhtar fesselt auch in der gelungenen deutschen Übersetzung. Die Figuren und ihre ungezügelte Gier nach mehr, geben den Blick frei in die hemmungslose Welt des Kapitalismus ohne Grenzen. Wie ein Krimi entwickelt sich das Stück, spannend und mitreißend inszeniert, wie ein Pokerspiel bei dem alle mit falschen Karten spielen."

NDR Kultur

"Das Publikum war zu Recht begeistert. Der Autor Akhtar beherrscht sein Handwerk perfekt. Er ist ein Meister des sogenannten Well-made-plays. Da sitzen die Dialoge, da stimmt das Timing."

Hamburger Morgenpost

"Das Stück ist aktuell und spannend, ein eleganter, klasse gespielter Finanzthriller."

Hamburger Abendblatt

"Samuel Weiss spielt wirklich hinreißend. Er ist das Kraftzentrum der Inszenierung."

Die Welt

"Samuel Weiss wächst im Schauspielhaus als Merkin über sich hinaus, verkörpert den Finanzguru mit Leib und Seele."

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